Björn Sänger, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des VDVO e.V., kommentiert die Zahlen des ifo- Institutes:
Ifo-Geschäftsklimaindex Dezember 2025: Nominale Umsätze, reale Krise – die Veranstaltungswirtschaft unter strukturellem Druck
Die aktuellen ifo-Zahlen für Dezember 2025 zeigen auf den ersten Blick eine scheinbare Stabilität bei den Umsätzen in der Veranstaltungswirtschaft. Doch dieser Eindruck täuscht. Die Umsatzentwicklung ist weniger Ausdruck steigender Nachfrage als vielmehr ein nominaler Effekt der anhaltenden Inflation und massiv gestiegener Kosten.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht spricht vieles dafür, dass wir es hier nicht mit einem echten Umsatzwachstum zu tun haben, sondern mit einer Preis- und Kostenanpassung, die betriebswirtschaftlich kaum Ertragseffekte erzeugt. Höhere Tagessätze, gestiegene Technik-, Energie-, Logistik- und Personalkosten schlagen sich zwar in höheren Umsätzen nieder – sie kompensieren aber lediglich die Kostensteigerungen. Die Margen bleiben unter Druck.
Genau das bestätigen auch die Rückmeldungen aus der – noch nicht repräsentativen, aber aussagekräftigen – VDVO-Mitgliederumfrage:
Kosten steigen schneller als Erlöse, Planungssicherheit fehlt, Investitionen werden verschoben oder gestrichen. In diesem Umfeld sind Umsatzzahlen kein Indikator für wirtschaftliche Gesundheit.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung der Beschäftigung. Der deutliche Abwärtstrend ist kein kurzfristiger Anpassungseffekt, sondern ein strukturelles Signal. Wenn Unternehmen Personal abbauen oder nicht nachbesetzen, dann deshalb, weil sie nicht an eine baldige, nachhaltige Belebung glauben. Die Branche spart nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Notwendigkeit.
Für die B2B-Veranstaltungswirtschaft, die der VDVO repräsentiert, ist die Lage besonders angespannt. Corporate Events, Kongresse und Messen hängen direkt an Investitions-, Kommunikations- und Transformationsbudgets der Wirtschaft. Und diese Budgets stehen unter politischem und konjunkturellem Vorbehalt. Solange Unsicherheit über Energiepreise, Regulierung, Steuerlast und Wachstumsperspektiven besteht, bleiben Unternehmen zurückhaltend – Veranstaltungen sind dann schnell ein variabler Kostenfaktor.
Das zentrale Problem ist daher kein branchenspezifisches Versagen, sondern eine gesamtwirtschaftliche und politische Rahmenlage, die Vertrauen verhindert. Die Veranstaltungswirtschaft ist eine nachlaufende Branche: Sie profitiert erst dann, wenn Unternehmen wieder verlässlich planen können.
Fazit:
Solange Umsatzsteigerungen primär inflationsgetrieben sind und keine realen Ertragseffekte erzeugen, bleibt die Branche unter Druck. Eine echte Trendwende wird es erst geben, wenn politische und wirtschaftliche Stabilität Investitionen wieder lohnend machen. Die Zahlen zeigen klar: Ohne konjunkturelle Erholung und verlässliche Rahmenbedingungen wird sich auch die Veranstaltungswirtschaft nicht nachhaltig erholen.