Marcus Pohl, 1. Vorsitzender des isdv e.V., kommentiert für das FVAW die ifo-Zahlen Oktober 2025:

Die einzelnen Monatszahlen in den hier gezeigten Geschäftsindizes gehen in Teilen so stark auseinander, dass man sich eigentlich nur fragen kann, wie das alles überhaupt noch funktioniert. Und so können wir dem Pfeil ablesen, dass das Klima über 12 Monate zwar sinkt, aber nur sehr leicht. Es scheint sich eine stärkere saisonale Ausrichtung zu entwickeln. Wenn man die Up- and down-Bewegung von Klima und Lage vergleicht, sind sie recht ähnlich. Die Klimavorhersage ist noch deutlich pessimistischer, als es die Lage dann zeigt. Da können wir uns eigentlich nur drüber freuen.

Und auch die Entwicklung ist im Trendpfeil positiv. Auch stärker als das Klima und in den Schwingungen durchaus mit dem Klima mitlaufend, nur mit kleineren Amplituden. Das ist ebenfalls gut.

Dazu passend die Entwicklung der Beschäftigung in der VAW. Weniger Angestellte heißt auch mehr Wirtschaftlichkeit der Firma bei geringeren Auftragslagen (siehe Klima und Lage). Ist ja auch logisch: weniger Fixkosten – mehr Effizienz.

Das bedeutet nicht, weniger Angestellte sind besser, sondern es bestätigt lediglich die Richtigkeit der anderen Kurven und die Ausrichtung des Trendpfeils.

Man kann also aus den Graphen ableiten, dass es jetzt ruhiger wird in der Veranstaltungswelt. Natürlich hängt es sehr davon ab, wer alles Daten zuliefert und regelmäßig zur Verfügung stellt.  Das sind noch viel zu wenige.

So läuft das Tourneegeschäft noch stark weiter, das wissen wir aus vielen Gesprächen.
Also könnten wir mutmaßen, dass nicht viele Tourneefirmen zum ifo-Index beitragen.
Im Corporate-Bereich ist es noch kleinteiliger. Ein Teil läuft auf hohem Niveau, anderes gerade gar nicht. Das steht nicht in den Graphen, sondern kommt in Gesprächen des Forums mit Branchenteilnehmenden heraus. Wie gut es einzelnen Firmen also geht, hängt von der Gesamtentwicklung ab (siehe ifo-Zahlen Gesamtwirtschaft), aber auch ganz stark von der individuellen Kundenausrichtung der Unternehmen. Mit vielen Angestellten muss ich weniger wählerisch sein bei den Aufträgen und begebe mich schneller in einen starken Preiskampf. Mit weniger Angestellten bin ich flexibler mit geringeren Fixkosten, habe aber auch ein deutlich geringeres Margenpotential pro Auftrag, weil ich den Subunternehmen mehr zahlen muss als Angestellten. Das ist die schwingende Masse, das sehen wir in dem Beschäftigungsschaubild sehr deutlich. Es bewegt sich analog zum Klima. Nicht zur Geschäftsentwicklung, was besser wäre. Die VAW läuft also mit etwas „Schiss in der Bux“ bezüglich des nächsten Jahres in den Winter.
Die Grafik, auf die wir noch gar nicht eingegangen sind, ist der ifo-Jimdo-Index für Selbständige. Dieser gilt über alle Wirtschaftszweige hinweg, also nicht nur für die Veranstaltungswirtschaft. Interessanterweise bestätigt dieser die gerade zuvor gemachten Aussagen zum Zusammenhang Beschäftigung-Klima-Entwicklung. Wo die Beschäftigung runter geht, geht der Selbständigen-Index rauf. In viel kleineren Bewegungen, was aber an der Breite des ifo-Jimdo-Indexes liegt. Der Zusammenhang ist dennoch durchaus erkennbar.

Fazit meiner ifo-Auswertung:
Es läuft auf niedrigem Niveau, aber es läuft. Köllner würden sagen „Et is noch imma jut jejange“. Wir kommen immer mehr in ein Saisongeschäft. Die Jahre vor Corona waren da fließender. Dies können natürlich noch immer Auswirkungen der Pandemie sein. Der Markt hat sich allerdings deutlich verändert, die Preisstruktur ist noch immer stark in Bewegung. Wir sind noch vulnerabel. Aber kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Der Trendpfeil zeigt nach oben, und so soll es sein, sagt Bacchus, Gott der Feiern und Festivals.

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